Neubau Doppelwohnhaus in Niedrigenergiebauweise

Bad Nenndorf, Niedersachsen

LP 1-5

Das Doppelhaus ist in der äußeren Gestaltung als Niedrigenergiebauweise deutlich ablesbar.

Das Haus mit seinem Grundstück liegt am Rand eines Neubaugebietes in einem kleinen Kurort in der Nähe der Landeshauptstadt Hannover. Alter Baumbestand, insbesondere Obstbäume des ehemaligen Gelände einer Baumschule konnten in den Entwurf integriert und erhalten werden. Wunsch und Vorgabe der Bauherren war es ein Doppelhaus für die eigene Nutzung der einen Hälfte und für die Nutzung der anderen Hälfte durch die Eltern, zu bauen. Neben der Realisierung der gegenwärtigen Bedürfnisse sollten zukünftige Veränderungen berücksichtigt werden, wie z.B. die Nutzung durch andere Bewohner. Somit musste ein Haus geplant werden, dass sowohl für Senioren als auch für Familien mit Kindern geeignet ist. Eine weitere wichtige Vorgabe bestand in der Schaffung eines im Unterhalt wirtschaftlichen Hauses mit möglichst niedrigem Heizenergieverbrauch. Unter Berücksichtigung der Vorgaben des Bebauungsplans wurde ein Gebäude entworfen, dass die vom Bauherrn formulierten Bedürfnisse an Raum, Funktion und Architektur wiederspiegelt. Die Doppelhäuser werden durch zwei freistehende Garagen mit Abstellfläche und einer Fassade als Holzverschalung ergänzt. Der einfache kompakte Hauptkörper mit den Hauptaufenthaltsräumen, ist nach Süden zum Garten orientiert, in Massivbauweise als Kalksandstein errichtet und mit großen Fenstern versehen. Der nach Norden vorgelagerte Vorbau dient energetisch und funktional als Puffer und enthält notwendige Kellerersatzräume, die Heizung und die Hausanschlüsse sowie die Eingänge mit Windfang. So konnte kostengünstig auf einen Keller verzichtet werden. Um den Vorbau vom Hauptkörper architektonisch abzusetzen, wurde er in Holzständerkonstruktion mit einer Lärchenholzverschalung errichtet. Im Süden wurden Wintergärten vorgelagert, die sowohl die Aufenthaltsräume im Erdgeschoss bei schönem Wetter erweitern, als auch über zu öffnende Fenster der im Dachgeschoss liegenden Räume eine Verbindung schaffen. Durch die passive Nutzung der Sonneneinstrahlung können in beiden Geschossen Heizkosten eingespart werden. Eine Zellulose-Einblasdämmung unterstützt das Konzept der Energieeinsparung und sorgt im Winter für einen geringen Wärmeverlust und schützt im Sommer vor zur großer Hitze. Die Häuser wurden mit einer kontrollierten Lüftung ausgestattet. Zusätzlich wurden für einen späteren Einbau Installationen für Kollektoren zur Brauchwassererwärmung auf dem Dach und zur Nutzung des in der Regenzisterne gesammelten Wasser für WC und Waschmaschine vorgerichtet. Die klare Architektursprache setzt sich im Inneren des Hauses fort. Eine schmale Halle durchzieht das gesamte Gebäude in der Tiefe aber auch in der Höhe bis unter den First und wird auf beiden Seiten von zwei gleich großen massiven Bauteilen mit seinen einzelnen Zimmern flankiert. Von der Halle werden alle Räume erschlossen.Trotz geringer Wohnfläche wirken die Häuser aufgrund ihrer axialen Grundrissanordnung sehr großzügig. Eine Achse zieht sich vom Eingang bis zur zum Garten gewandte Treppe. Beim Betreten des Hauses ist die innere Struktur und Dimension des Gebäudes in Höhe und Tiefe sofort erfassbar und ein Bezug zum Garten hergestellt. Die andere Achse befindet sich unterhalb der Firstlinie. Große hintereinander liegende verglaste Flügeltüren und Terrassentüren im Giebel machen die gesamte Breite des Hauses erfahrbar. Im Erdgeschoss können die Räume über die Flügeltüren und Schiebetüren unter Einbeziehung der Halle zusammengeschlossen oder jeder für sich genutzt werden. So entstehen je nach Situation und Bedarf Bereiche als Mittelpunkt familären Zusammenlebens und Zusammenkommens oder aber auch Rückzugsbereiche für einzelne Familienmitglieder. Reine Verkehrsflächen wurden vermieden. Flure werden als Schrankräume oder Ankleideräume genutzt. Im Dachgeschoss sind drei gleichwertige Räume als Schlaf- Gäste- und Arbeitszimmer nutzbar. Um die gewünschte Seniorengerechtigkeit zu erreichen, wurden in den beiden Bädern im EG und DG bodengleiche Duschen eingebaut, aber auch auf Schwellen bei den Ausgängen verzichtet. Sollten Lebensumstände dies erfordern kann das Haus so genutzt werden, dass ohne weitere Umbaumaßnahmen die Nutzung auf das Erdgeschoss beschränkt wird. In der Zwischenzeit hat der so vorraussschauend geplante Wechsel der Bewohner von Senioren zu einer Familie mit Kindern tatsächlich stattgefunden. Die Bauherrn wohnen nach wie vor und ohne jegliche Umplanungen in Ihrer ursprünglichen Doppelhaushälfte.

Wohnfläche gesamt je Haushälfte: 128 qm

Bauzeit: 1997-1998

Veröffentlichung: Weka Baufachverlag Aktuelle Baukonstruktionsdetails Februar 2000